Pressemittelung

Leipzig, 29. Oktober 2015

Dyckerhoff und CLENS stellen erstmal Regelenergie aus Zementwerk bereit

Kugelmühle in Göllheim

Der Zement- und Baustoffhersteller Dyckerhoff und das Energieunternehmen Clean Energy Sourcing (CLENS) freuen sich über den ersten erfolgreichen Abruf negativer Minutenreserveleistung für die Rohmühlen im Dyckerhoff Werk Göllheim. Damit hat in Deutschland erstmals eine Anlage aus der Zementindustrie Regelenergie erbracht. Die Kooperation der beiden Unternehmen entsprang dem Gemeinschaftsprojekt „VeViDe“, das von der Transferstelle Bingen geleitet und vom Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland-Pfalz gefördert wird.

„Wir freuen uns, dass wir im Zementwerk Göllheim nun Regelenergie zur Verfügung stellen können. Damit unterstützen wir die bessere Integration erneuerbarer Energiequellen in die Stromversorgung. Gerade unsere Rohmühlen sind gut geeignet, um Regelenergie bereitzustellen“, sagt Rüdiger Matheis, Leiter der Werksgruppe Süd der Dyckerhoff GmbH. Bei den vermarkteten Anlagen des Zementwerks in Göllheim handelt es sich um zwei Kugelmühlen, die über eine Leistung von insgesamt 3,8 Megawatt verfügen. Diese Mühlen werden in der Regel überwiegend nachts und an den Wochenenden betrieben, zu Zeiten niedriger Strompreise und geringer Netzauslastung. Dank ausreichender Materiallager und der Anbindung an das virtuelle Kraftwerk der CLENS, können die Anlagen jedoch auch außerhalb der üblichen Betriebszeiten in weniger als 15 Minuten angefahren werden und entsprechend auf einen Regelenergieabruf durch den Übertragungsnetzbetreiber reagieren.

Wozu bedarf es Regelenergie? Unvorhergesehene Schwankungen zwischen der Einspeisung und Entnahme des Stroms im Netz werden durch positive bzw. negative Regelenergie kurzfristig ausgeglichen, um so die Frequenz im Stromnetz bei exakt 50 Hertz zu halten. Hierzu erhöhen oder senken die Lieferanten der sogenannten Regelenergie im Bedarfsfall kurzfristig ihre Kraftwerksleistung bzw. ihren Verbrauch. Droht beispielsweise eine Überspeisung und damit einhergehend eine Überfrequenz im Netz aufzutreten, ruft der zuständige Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) negative Regelenergie ab – Erzeuger werden also heruntergeregelt oder elektrische Verbraucher (z.B. Pumpen, Verdichter, Kühlhäuser, Power-to-Gas-Anlagen) zugeschaltet. Die durch den ÜNB vorgehaltenen Leistungen werden am Regelenergiemarkt ausgeschrieben. Dabei wird, je nach geforderter Aktivierungsdauer zwischen Primär-, Sekundär- und Minutenreserveleistung unterschieden.

„Zementwerken wird schon länger nachgesagt, theoretisch für eine flexible Fahrweise und die Bereitstellung von Regelenergie geeignet zu sein. Umso mehr freuen wir uns, dass es uns nun gelungen ist, dieses Potential auch im operativen Betrieb umzusetzen. Wir sind stolz, hier absolute Pionierarbeit geleistet zu haben“, sagt Frank Baumgärtner, Vorstand der CLENS. Eine Präqualifikation einiger Anlagen des virtuellen Kraftwerks für die Sekundärregelreserve ist bereits angedacht: „Dank unseres virtuellen Kraftwerks, das auf der Systemplattform EC24 basiert, können wir die Flexibilität angebundener Anlagen zuverlässig und binnen Sekunden steuern und vermarkten. Genau dieser Kompetenz bedarf es angesichts eines sich wandelnden Energiesystems, in dem die Vernetzung und dezentrale Steuerung von Erzeugungsanlagen sowie von Speichern und Verbrauchern künftig eine entscheidende Rolle spielen. Derzeit entsteht in Europa ein Internet der Energie“, so Baumgärtner.

Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke begrüßte die Entwicklung, die das Projekt genommen hat: „Der Schwerpunkt der Stromversorgung der Zukunft wird auf dezentralen und fluktuierenden Erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne liegen. Die Integration der Erneuerbaren muss im Einklang mit der Versorgungssicherheit stehen. Hierfür müssen wir auch die Flexibilität auf der Erzeuger- wie  auf der Verbraucherseite erhöhen. Flexible, steuerbare Verbraucher wie die Rohmühlen in Göllheim können hierzu einen wertvollen Beitrag leisten und zudem durch die Vermarktung von Regelenergie zusätzliche Erlöse erzielen. Ich freue mich, dass das vom Wirtschaftsministerium geförderte VeViDe-Projekt die Grundlage für diese wichtige Flexibilität gebildet hat.“

Die Kooperation zwischen Dyckerhoff und CLENS kam über das Projekt „VeViDe“ zustande, das von Prof. Ralf Simon von der Transferstelle Bingen geleitet und durch das Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland-Pfalz gefördert wird. Das Gemeinschaftsprojekt zum "Aufbau eines Verbundes dezentraler Energiespeicher zu einem virtuellen Großspeicher – VeViDe" umfasst die Bestandsaufnahme, Bewertung und Erprobung vorhandener Verbrauchsflexibilität in Industrie und Gewerbe. Ziel ist es, einen großen virtueller Energiespeicher zu schaffen, der es ermöglicht, Regelenergie in großem Umfang am Markt anzubieten.

Pressemitteilung

Foto Kugelmühle in Göllheim (© Dyckerhoff)